- Internationale Energieagentur unterstreicht neue Freigaben – Heizöl günstiger
Bei einem Treffen der Internationalen Energieagentur IEA am Donnerstag kündigten Vertreter der Organisation an, dass die Mitgliedsländer der Organisation so schnell wie möglich 100 Mio. Barrel Öl aus landeseigenen Reserven auf den Markt bringen wollen, darunter 20 Mio. Barrel Diesel, um so die Energiepreise weltweit etwas zu entlasten. In den Augen der USA sind diese [...] - IEA warnt vor Nachfrageeinbruch und anhaltender Diesel-Knappheit
Die Lage am Ölmarkt bleibt von geopolitischen Unsicherheiten und einer knappen Angebotslage geprägt. Allerdings sorgen die hohen Ölpreise der letzten Monate inzwischen auch für einen spürbaren Nachfragerückgang. Dies zeigt der aktuelle Monatsbericht der Internationalen Energieagentur IEA, der gestern erschien. Die Ölpreise geben damit nun erst einmal wieder leicht nach. Ölverbrauch bricht aufgrund hoher Preise ein [...] - Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz stützen Versorgungsängste – Heizöl deutlich teurer
Während die USA in den letzten Tagen mehrfach versucht hat, die Ölproduktmärkte zu entspannen indem man Deals mit Russland angekündigt hat, brennt es in Nahost bzw. Saudi Arabien erneut umso schwerer. Hier griff die im Jemen ansässige Huthi-Miliz wieder verstärkt saudische Infrastrukturen an und kündigte neue Angriffe an, die kurze Zeit darauf schon begonnen haben. [...]

Bei einem Treffen der Internationalen Energieagentur IEA am Donnerstag kündigten Vertreter der Organisation an, dass die Mitgliedsländer der Organisation so schnell wie möglich 100 Mio. Barrel Öl aus landeseigenen Reserven auf den Markt bringen wollen, darunter 20 Mio. Barrel Diesel, um so die Energiepreise weltweit etwas zu entlasten. In den Augen der USA sind diese Mengen jedoch unzureichend, die Partnerländer der IEA sollten ihre Freigaben nochmal erweitern. Die Rohölpreise stiegen gestern leicht an, Produkte wurden jedoch günstiger.
IEA meldet zeitnahe Freigaben von insgesamt 100 Mio. Barrel Öl- und Ölprodukten
Bereits vor knapp 2 Wochen wurde offiziell gemeldet, dass die Mitgliedsnationen der IEA noch 100 Mio. Barrel Erdöl und dessen Produkte aus den jeweiligen staatlichen Reserven freigeben wollen. Während damals noch die Rede davon war, dass in dieser Menge 50 Mio. Barrel Diesel beinhaltet sein sollen, scheinen die Vertreter der weltweit insgesamt 32 IEA-Mitgliedsländer sich nun darauf verständigt zu haben, stattdessen „mehr als 20 Mio. Barrel Diesel“ aus den eigenen, strategischen Reserven zeitnah für den Markt zur Verfügung zu stellen.
Bereits vergangenen März kündigten die IEA-Mitglieder an, dass man in der Gemeinschaft insgesamt 400 Mio. Barrel Öl für Raffinerien und Händler zur Verfügung stellen will, um die Auswirkungen des US-Iran-Israel-Konflikts auf die Ölpreise abzudämpfen. Davon wurden bisher rund 330 Mio. Barrel wirklich verteilt, sodass mit den neu bestätigten Mengen insgesamt 430 Mio. Barrel durch die Freigaben weitergegeben werden würden. Wann genau die neuen Mengen wirklich verteilt werden, ist noch unklar, es soll jedoch möglichst bald stattfinden.
USA unzufrieden mit den geplanten Freigaben
Auch die USA sind, als gleichzeitig größter Erdölproduzent der Welt, Mitglied der Internationalen Energieagentur und haben im Rahmen der Freigaben vom März Zusagen über knapp 172 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte gegeben, von denen die letzten 40 Mio. Barrel Ende September ausgeschrieben wurden. Weitere Freigaben kündigte die USA bislang nicht an. Dennoch erklärten anonyme Vertreter des weltweit größten Ölproduzenten, dass die geplanten Freigaben von 100 Mio. Barrel nicht ausreichend seien und nochmal mindestens 100 Mio. zusätzlich ausgemacht werden müssten.
Zu möglichen, zusätzlichen Freigaben der USA gaben die anonymen Vertreter keine Aussage. Auch die direkten Sprecher der IEA oder der US-Energiebehörden gaben keine weiteren Informationen zu den Kommentaren der anonymisierten Sprecher oder zu Plänen der USA, die eigenen staatlichen Reserven zur Marktentlastung weiter zu öffnen. Ob die IEA weitere Freigaben über die mittlerweile insgesamt 430 Mio. Barrel Öl und Ölprodukt hinaus durchführen will, ist bislang nicht bekannt.
Ölproduktpreise sinken, Heizöl günstiger
Mit den Meldungen dazu, dass die Länder versuchen die Märkte mit neuen Öl- und Ölproduktfreigaben zu unterstützen, kam es im gestrigen Tagesverlauf und am frühen Freitagmorgen zu Preisrückgängen am Ölprodukt-Kontrakt. In direkter Folge wurde auch das Heizöl in der Bundesrepublik zum heutigen Tagesbeginn günstiger und wird derzeit mit Preisabschlägen von -1,85 bis -2,85 Euro pro 100 Liter gegenüber Donnerstagvormittag erwartet. Diese Preise sind jedoch nur eine Momentaufnahme und können sich je nach geopolitischen und markttechnischen Entwicklungen jederzeit wieder ändern.

Die Lage am Ölmarkt bleibt von geopolitischen Unsicherheiten und einer knappen Angebotslage geprägt. Allerdings sorgen die hohen Ölpreise der letzten Monate inzwischen auch für einen spürbaren Nachfragerückgang. Dies zeigt der aktuelle Monatsbericht der Internationalen Energieagentur IEA, der gestern erschien. Die Ölpreise geben damit nun erst einmal wieder leicht nach.
Ölverbrauch bricht aufgrund hoher Preise ein
Im Vergleich zum Vorjahr rechnet das Pariser Institut aktuell mit einem Rückgang des weltweiten Ölverbrauchs um -2,6 Millionen Barrel pro Tag. Damit hat die IEA ihre Vormonatsprognose sogar noch einmal um 100.000 Barrel verschärft, denn schon im September-Bericht hatte sie einen signifikanten Rückgang des globalen Ölbedarfs von -2,5 Mio. Barrel pro Tag vorhergesagt.
Ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr erwartet die IEA erst wieder ab März. Und damit steht sie nicht alleine da. Auch die OPEC, die ebenfalls alle vier Wochen in ihrem Monatsbericht eine umfassende Einschätzung zum Ölmarkt liefert, hat am Dienstag ihre Prognose zum Nachfragewachstum gesenkt, und zwar sogar um 200.000 Barrel pro Tag.
Versorgungslage bleibt höchst angespannt
Der bröckelnden Nachfrage steht allerdings auch weiterhin eine stark angespannte Versorgungslage gegenüber, die aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten und dem anhaltenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine auch weiterhin anhalten dürfte. Vor allem bei Diesel bleibt die Lage prekär, das fürchtet auch die IEA.
Diesel-Knappheit bleibt bis 2027
Die Lage an den Dieselmärkten sei extrem angespannt, so die Agentur. Grund dafür sei, dass die Lagerbestände vor dem Winter ungewöhnlich stark abgebaut worden seien. Zugleich bleibe die Produktion eingeschränkt. So gingen die Ausfuhren aus dem Nahen Osten und Russland im September um insgesamt 1,3 Mio. B/T zurück.
Die IEA warnte zudem vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Die Rekordpreise für Diesel trieben bereits die Kosten für Waren in die Höhe, belasteten die Realeinkommen und die Konjunktur. Zwar erwarte die IEA eine Erholung der weltweiten Raffinerieproduktion gegen Ende des Jahres, dies werde jedoch nicht ausreichen, um das in diesem Jahr entstandene Defizit auszugleichen.
Inlandspreise mit leichten Abschlägen
Die Lage am Produktmarkt bleibt langfristig gesehen also eher angespannt. Allerdings ergeben sich bei den Inlandspreisen für Heizöl heute doch einige Abschläge. Dies ist zum einen der Abwärtskorrektur des zugrunde liegenden Mitteldestillatkontrakts ICE Gasoil zu verdanken, zum anderen aber auch der Erholung beim Euro, der in den Morgenstunden einen heftigen Satz in die Höhe gemacht hat und auf dem höchsten Niveau seit letzter Woche handelt. Für 100 Liter Heizöl ist deshalb heute mit Abschlägen von -0,50 bis -1,00 Euro im Vergleich zu gestern Vormittag zu rechnen.

Während die USA in den letzten Tagen mehrfach versucht hat, die Ölproduktmärkte zu entspannen indem man Deals mit Russland angekündigt hat, brennt es in Nahost bzw. Saudi Arabien erneut umso schwerer. Hier griff die im Jemen ansässige Huthi-Miliz wieder verstärkt saudische Infrastrukturen an und kündigte neue Angriffe an, die kurze Zeit darauf schon begonnen haben. Aus Sorge, dass die saudische Ölproduktion infolge von Angriffen zeitnah einbricht, stiegen die Rohölpreise am Weltmarkt leicht an, während Ölprodukte deutlich teurer wurden.
Huthi warnen vor Angriffen auf saudische Ölanlagen und Infrastruktur
Bereits gestern kündigte die jemenitische Milizgruppe Huthi durch ihren Militärsprecher Yahya Saree an, dass man Ölanlagen der saudischen Ölfirma Saudi Aramco als legitime Ziele einstufte und zeitnahe Angriffe durchführen werde. In direkter Folge warnte er mittels öffentlichem Aufruf, dass saudische Bürger und Arbeiter sich von allen Energieanlagen der Firma, darunter Raffinerien, Pipelines und Ölförderstellen, entfernen sollen, wenn sie ihr Leben nicht unnötig aufs Spiel setzen wollen.
Außerdem sollen sich Zivilisten von allen saudischen Flughäfen entfernen, die von der Miliz als Angriffsziele betrachtet werden könnten. Besonders der internationale Flughafen King Khalid in Riad wurde vergangene Woche mehrfach zum Ziel schwerer Raketen- und Drohnenangriffe. Insgesamt starben in dieser Zeit mindestens 18 Menschen, weitere wurden verletzt. Der Flugverkehr über weiten Teilen Saudi Arabiens ist aktuell eingeschränkt, viele Flüge wurden für die kommenden Tage storniert.
Saudisches Energieministerium meldet Treffer an Verwaltungsgebäude
Nachdem die Miliz am Dienstag noch ihre Warnungen deutlich machte, erklärte das saudische Energieministerium am Mittwoch, dass die Zentrale der Saudi Aramco in Dhahran mit Marschflugkörpern getroffen wurde, wobei in einem Büroturm des Gebäudekomplexes ein größeres Feuer ausgebrochen sei. Wie viele Verletzte es gab bleibt offen, auch ob und wie lange der Betrieb des Unternehmens dadurch eingeschränkt wird ist bislang unklar.
Sicher ist jedoch, dass die Angriffe die Sorge vor weiteren Schlägen und schweren Einschränkungen der Ölförderung und Exporte aus Saudi Arabien erheblich verschärft haben. Bereits mit der Drohung der Miliz reagierten insbesondere die Ölproduktmärkte sehr empfindlich, die tatsächlichen Angriffe bestätigten die Sorgen dann und sorgten auch am frühen Mittwochmorgen für anhaltend hohe Preise bei Erdöl und dessen Produkten.
Heizöl nach Nahost-Angriffssorgen und deren Bestätigung deutlich teurer
Während bei den Angriffen der letzten Tage noch keine Treffer gegen Ölanlagen gemeldet wurden, reicht die Angst vor ebensolchen Treffern aus, um die Preise bei den Ölmärkten deutlich nach oben zu drücken. Für Abnehmerinnen und Abnehmer von Heizöl in Deutschland bedeutet dies entsprechend starke Preisanstiege, aktuellen Einschätzungen zufolge liegen diese bei +5,40 bis +6,40 Euro pro 100 Liter gegenüber Dienstagvormittag. Da es sich bei den Daten nur um Momentaufnahmen handelt, sind regionale Schwankungen und Verschiebungen im Lauf des Tages jedoch jederzeit möglich.