
Seit fast sieben Wochen ist die Straße von Hormus nun gesperrt, kaum ein Tanker kommt durch, die globale Öl- und Gasversorgung gerät immer mehr unter Druck. Unterdessen haben sich die beiden Kriegsparteien Iran und USA in eine Art Pattsituation hineinmanövriert, die ein schnelles Ende der Krise immer unwahrscheinlicher macht.
Straße von Hormus bleibt blockiert
Wo es vor einigen Wochen noch Hoffnung gab, dass die Straße von Hormus schnell wieder frei befahrbar sein könnte, ist sie jetzt im Grunde sogar noch mehr gesperrt als zuvor, denn auch die USA haben inzwischen eine Seeblockade eingesetzt. Sie versuchen, den Iran daran zu hindern, weiter Öl zu exportieren.
Gleichzeitig hat Donald Trump die geltende Waffenruhe zwischen den Kriegsparteien erst gestern auf unbestimmte Zeit verlängert, während der Iran Washington in der Frage, ob man an Gesprächen teilnehmen möchte, zappeln lässt. Gleichzeitig überziehen sich weiterhin beide Parteien zu gleichen Teilen mit Häme und mit Drohungen.
Ölmarkt ächzt unter ausbleibenden Öl- und Gaslieferungen
Für den globalen Energiemarkt wird die Situation unterdessen immer dramatischer, denn mit jedem Tag, den die Exporte aus der Golfregion ausbleiben, verschärft sich die Angebotsverknappung am Weltmarkt. Üblicherweise werden durch die Straße von Hormus täglich etwa 20 Prozent des täglichen Öl- und Gasbedarfs transportiert.
Preise im Inland wieder teurer
Entsprechend bleiben die börsengehandelten Rohölpreise hoch, die europäische Referenzsorte Brent stieg gestern erstmals seit 10 Tagen wieder nachhaltig über 100 Dollar. Die Inlandspreise orientieren sich damit erneut nach oben. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen heute mit Aufschlägen von ca. +1,95 bis +3,45 Euro/100l zu Mittwochmorgen rechnen.

Am späten Dienstagabend kündigte US-Präsident Donald Trump eine Verlängerung der Waffenruhen zwischen den USA und dem Iran rund um die Spannungen im Nahen Osten an. Die Meldung dämpfte die Hoffnungen auf ein zeitnahes Kriegsende etwas ab und sorgte an den Ölbörsen für einen leichten Preisanstieg, insbesondere im Bereich der Ölprodukte.
Verlängerung der Waffenruhe dämpft Optimismus
Als der US-Präsident am späten Dienstagabend eine Verlängerung der Waffenruhen zwischen den USA und dem Iran auf unbestimmte Zeit ankündigte, dämpfte dies den Optimismus der Märkte zu einem baldigen Kriegsende deutlich ab. Während des damit am späten Dienstagabend zu kurzen aber sehr deutlichen Preiserhöhungen kam, flachten diese schon wieder etwas ab, dennoch sind die Preise an den Ölbörsen aktuell noch immer knapp 3 Prozent höher als am Dienstagvormittag.
Für viele Marktteilnehmer stand die Hoffnung, dass vor dem Ende der Waffenruhen ein mögliches Friedensabkommen zwischen dem Iran und den USA zumindest grundsätzlich aufgesetzt wird. Eine Verlängerung der Waffenruhen lässt zwar weiterhin auf eine grundsätzliche Annäherung im Iran-Krieg hoffen, ist jedoch dennoch etwas weniger als viele Marktteilnehmer und Länder sich erhofft hatten.
Auch seitens des Iran kam die Meldung wohl eher überraschend. Vertreter aus Teheran meldeten sich Mittwochvormittag und betonten eine allgemeine Skepsis, da die Ankündigung einer Waffenruhe einseitig und ohne vorherige Absprachen mit dem Iran erfolgte. Teheran zufolge sei man sehr skeptisch zu dem Vorgehen und werde eine allgemeine Alarmbereitschaft aufrecht halten.
Heizöl deutlich teurer erwartet
Mit den deutlichen Preisanstiegen bei den Ölproduktmärkten gibt es auch deutliche Aufschläge bei Heizölkäufen in der Bundesrepublik. Abnehmerinnen und Abnehmer müssen heute deshalb mit moderaten Preiserhöhungen beim Heizölkauf über +5,50 bis +7,00 Euro pro 100 Liter Heizöl im Vergleich zu Dienstagvormittag rechnen. Da die Preise sich im Rahmen der Entwicklungen im Irankonflikt jedoch schnell ändern können, sind diese Angaben ohne Gewähr.

Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gilt nur noch bis Mitte der Woche. Ob der Iran an der für heute anberaumten zweiten Verhandlungsrunde im pakistanischen Islamabad teilnehmen wird, ist bislang immer noch unklar.
Spannungen hatten über das Wochenende wieder zugenommen
Die Spannungen zwischen den beiden Ländern hatten über das Wochenende wieder zugenommen. Einerseits, weil die USA ihre Seeblockade fortsetzten, was der Iran als Verstoß gegen die Waffenruhe betrachtete und andererseits, weil die US-Streitkräfte am Sonntagabend einen Frachter beschlagnahmten, der in Richtung der iranischen Hafenstadt Bandar Abbas unterwegs gewesen war.
Teheran sah dies als weiteren Akt der Aggression seitens der USA und äußerte Zweifel an der Ernsthaftigkeit der diplomatischen Bemühungen Washingtons. Während es anfangs noch so aussah als würde der Iran definitiv nicht an der zweiten Verhandlungsrunde teilnehmen wollen, deuteten Aussagen hochrangiger Vertreter der Islamischen Republik im Verlauf des Montags darauf hin, dass doch noch Hoffnungen auf weitere Gespräche besteht.
Trump weiterhin überzeugt von Abkommen
US-Präsident Trump zeigte sich am gestrigen Montag in einer Mitteilung auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social weiterhin überzeugt davon, dass es ein Abkommen zwischen den USA und Iran geben werde. In derselben Mitteilung verteidigte Trump auch seine Entscheidung, das Atomabkommen, das der Iran 2015 mit den 5+1 Mächten des UN-Sicherheitsrats abgeschlossen hatte, in seiner ersten Amtszeit als Präsident einseitig aufzukündigen.
Pakistan stark um Vermittlung bemüht
Der Vermittler bei den aktuellen Verhandlungen, Pakistan, versuchte am gestrigen Montag noch einmal, alle diplomatischen Register zu ziehen, damit der Iran doch noch an den heute geplanten Gesprächen teilnimmt. Dabei soll Pakistan vor allem versucht haben, die USA von einem sofortigen Ende der Seeblockade zu überzeugen. Aus hochrangigen Kreisen der iranischen Regierung hieß es daher am Nachmittag wieder, man prüfe noch einmal „in positivem Sinne“, ob man eine Delegation nach Islamabad schicken werde.
Heizöl günstiger erwartet
Heute Morgen ist immer noch nicht sicher, ob die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington in die zweite Runde gehen. An den Ölbörsen scheint jedoch die Hoffnung zu überwiegen, dass die Gespräche fortgesetzt werden, weswegen die Rohölpreise auf einem etwas niedrigerem Niveau liegen als gestern.
Auch im Inland werden die Preise im bundesweiten Durchschnitt derzeit günstiger erwartet, was allerdings nicht zuletzt auch daran liegt, dass sich der Euro gegenüber dem Dollar im gestrigen Tagesverlauf wieder deutlich erholen konnte. Im Vergleich zu gestern dürfen Verbraucherinnen und Verbraucher bei Heizöl mit einem Preisrückgang von -1,35 bis -1,95 Euro pro 100 Liter rechnen. Dennoch bleibt der Markt stark vom Konflikt im Nahen Osten beeinflusst, weshalb neue Entwicklungen im Krieg unerwartet starken Einfluss auf die Inlandspreise in Deutschland haben können.