- Neue Angebotsgefahr durch US-Hurrikan – Ölpreise steigen deutlich
Die Preise an den internationalen Ölbörsen setzen ihren Preisanstieg heute fort und ziehen damit auch die Inlandspreise erneut mit nach oben. Während die Krisenlage im Nahen Osten ein Haupttreiber am Ölmarkt bleibt, kommt aktuell auch noch eine Hurrikanwarnung in den USA hinzu. Hurrikan Isaias auf dem Weg an die US-Golfküste Hier hat sich im [...] - Märkte in Unsicherheit zwischen starken Nahost-Exporten und zunehmenden Tankerangriffen – Heizöl teurer erwartet
Während es von verschiedenen Seiten heißt, dass der Ölfluss im Nahen Osten und die dazugehörigen Exporte wieder größtenteils erholt sind, kommt es in den letzten Tagen deutlich verstärkt zu Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus, südlich des Iran. Entsprechend unsicher reagieren die Marktteilnehmer bei den Entwicklungen, was nach deutlichen Preisnachlässen am Dienstag am [...] - Saudi Aramco Chef: Freigabe von Reserven nur Übergangslösung – Heizöl dennoch günstiger erwartet
An den Ölbörsen überwog am gestrigen Montag im Hinblick auf die Versorgungslage wieder der Optimismus, nachdem die G7-Staaten und ihre Partner die Freigabe von 100 Mio. Barrel Rohöl und Diesel aus ihren Notreserven angekündigt hatten und Analysten von einer Erholung der Öllieferungen aus der Golfregion sprachen. Auch heute Morgen geben die Ölpreise an den Rohstoffbörsen [...]

Die Preise an den internationalen Ölbörsen setzen ihren Preisanstieg heute fort und ziehen damit auch die Inlandspreise erneut mit nach oben. Während die Krisenlage im Nahen Osten ein Haupttreiber am Ölmarkt bleibt, kommt aktuell auch noch eine Hurrikanwarnung in den USA hinzu.
Hurrikan Isaias auf dem Weg an die US-Golfküste
Hier hat sich im Golf von Mexiko in den letzten Tagen der erste große Tropensturm der Saison zusammengebraut und schon jetzt die Hurrikanstärke eins von fünf erreicht. Hurrikan Isaias bildete sich Anfang der Woche an der Ostküste Mexikos und zieht nun in Halbkreisformation in nordöstliche Richtung und wird Ende der Woche im Süden der USA auf Land treffen.
Bis Isaias die US-Golfküste erreicht, zieht er mitten durch das größte Offshore-Fördergebiet der USA und dürfte sich Meteorologen zufolge auf dem Weg zu einem Hurrikan der Kategorie 3 verstärken. Deshalb haben erste große Ölfirmen wie Chevron, Shell oder ExxonMobil auch schon mit der Evakuierung ihrer Bohrinseln begonnen und die Förderung an den Anlagen kurzfristig unterbrochen.
Schon jetzt ein Viertel der Gesamtförderung ausgefallen
Aktuellen Schätzungen zufolge ist die Fördermenge der USA allein durch diese vorsorglichen Unterbrechungen um 510.000 Barrel pro Tag gesunken. Das entspricht etwa einem Viertel dessen, was üblicherweise in dem Gebiet gefördert wird. Sollte der Hurrikan die Anlagen dauerhaft beschädigen und die Ausfälle damit längerfristig anhalten, würde sich die ohnehin knappe globale Angebotslage deutlich verschärfen.
Und dabei ist nicht nur die Rohölförderung in den USA durch den Hurrikan bedroht. Auch am Produktmarkt könnte Isaias im schlimmsten Falle für weitere Verwerfungen sorgen, denn an der amerikanischen Golfküste befinden sich auch die meisten Verarbeitungsanlagen. In der Region sammelt sich etwa 50% der gesamten Raffineriekapazität des Landes.
Auch Produktversorgung in Gefahr
Sollte es durch den Hurrikan und die mit ihm einhergehenden Starkwetterereignisse zu Beschädigungen und langanhaltenden Ausfällen kommen, wäre dies für die Produktversorgung ein echtes Problem – und zwar nicht nur im Inland, sondern auch in Übersee. Immerhin sind die USA für Europa aktuell einer der wichtigsten Diesel-Lieferanten, nachdem die russischen Importe weggefallen sind und auch der Nachschub aus Nahost nur schleppend vorankommt.
Inlandspreise ziehen deutlich an
Mit der neuen Gefahr für die Angebotsseite steigen die international gehandelten Rohölpreise auf neue Monats-Hochs und ziehen damit auch die Mitteldestillat-Kontrakte mit nach oben. Damit steigen auch die Inlandspreise wieder an, so dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf Preiszuschläge von +5,15 bis +5,95 Euro/100 Liter einstellen müssen.

Während es von verschiedenen Seiten heißt, dass der Ölfluss im Nahen Osten und die dazugehörigen Exporte wieder größtenteils erholt sind, kommt es in den letzten Tagen deutlich verstärkt zu Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus, südlich des Iran. Entsprechend unsicher reagieren die Marktteilnehmer bei den Entwicklungen, was nach deutlichen Preisnachlässen am Dienstag am selben Abend wieder erhebliche Preisanstiege mit sich brachte.
Nahost-Exporte erholen sich
Verschiedenen Branchenexperten und Analysten zufolge befinden sich die Ölexporte im Nahen Osten auf einer wirklich schnellen Erholung, nachdem sie in den letzten Monaten noch deutlich eingeschränkt waren. Großen Analysegruppen zufolge, darunter Vortexa und Kpler, liegen die aktuellen Öltransporte aus dem Nahen Osten in Richtung Weltmarkt bei rund 19,2 Mio. Barrel pro Tag, entsprechend 81% des Vorkriegs-Niveaus. Diese Mengen machen insgesamt rund 18% des weltweiten Rohölbedarfs aus.
Haupttreiber für die schnelle Erholung ist Saudi Arabien. Das Land nutzt, nach einigen Angriffsbedingten Ausfällen im September, seine Exportrouten im Persischen Golf und dem Roten Meer, um aktuell rund 6,6 Mio. Barrel Öl jeden Tag auf den Weltmarkt zu bringen. Aber auch andere Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak, Katar und Kuwait konnten ihre Exporte in den letzten Wochen deutlich ausbauen.
Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus nehmen wieder zu
So sehr die Exporte in den letzten Wochen wieder zugenommen haben, werden sie doch weiterhin von der Sorge vor Angriffen des Iran ausgebremst und in Gefahr gebracht. So gab es im bisherigen Oktoberverlauf schon neun Angriffe auf Schiffe in der Meerenge, die Hälfte der Gesamtzahl der Septemberangriffe die selbst ebenfalls ganz am Ende des Monats deutlich zugenommen haben.
„Teheran setzt offenbar auf eines seiner erprobtesten Instrumente: Die Erzeugung von Angst und Unsicherheit, um mehr Kontrolle über das Nadelöhr zu gewinnen“, erklärt Analyst Dimitris Maniatis der maritimen Sicherheitsberatung Marisks die Situation. In der Praxis sorgt die Unsicherheit dafür, dass wieder mehr Schiffe mit abgeschalteten Systemen die Meerenge durchqueren, alternative und vorsichtigere Routen wählen und auch die USA schon ankündigte, dass man die Sicherheit in der Meerenge durch Einsatz eines dritten Flugzeugträgers wieder verstärken will.
Sicherheitssorgen treiben Ölpreise nach oben
Mit den steigenden Sicherheitssorgen für Transporte aus dem Nahen Osten, erlebten auch die Preise an den Börsen und am Markt am Dienstagabend deutliche Anstiege. Das sorgt auch bei den Heizölpreisen in der Bundesrepublik für leichte Anstiege, weshalb Abnehmerinnen und Abnehmer am Mittwochvormittag mit durchschnittlichen Aufschlägen von rund +1,10 bis +2,10 Euro pro 100 Liter gegenüber Dienstagvormittag rechnen müssen. Aufgrund der teils empfindlichen und starken internationalen Entwicklungen sind diese Zahlen jedoch nur Momentaufnahmen und können sich jederzeit und je nach Ort deutlich ändern.

An den Ölbörsen überwog am gestrigen Montag im Hinblick auf die Versorgungslage wieder der Optimismus, nachdem die G7-Staaten und ihre Partner die Freigabe von 100 Mio. Barrel Rohöl und Diesel aus ihren Notreserven angekündigt hatten und Analysten von einer Erholung der Öllieferungen aus der Golfregion sprachen. Auch heute Morgen geben die Ölpreise an den Rohstoffbörsen nach. Der Vorstandsvorsitzende des staatlich geführten Ölriesen Saudi Aramco, Amin Nasser, gibt allerdings zu bedenken, dass die weltweiten Ölbestände „beängstigend gering“ sind.
Nasser: Wiederaufstocken der Ölbestände könnte bis zu 2 Jahre dauern
Bevor die USA und Israel Ende Februar mit ihren Angriffen auf Ziele im Iran begannen, beliefen sich die weltweiten Ölvorräte laut Nasser noch auf etwas mehr als 10 Milliarden Barrel. Mittlerweile seien sie jedoch unter 6 Milliarden Barrel gefallen, wovon aufgrund von diversen technischen Einschränkungen nur etwa 10 % tatsächlich verfügbar seien.
Ein Wiederaufbau der weltweiten Ölvorräte auf das Vorkriegsniveau könnte dem Saudi Aramco Vorstandsvorsitzenden zufolge bis zu zwei Jahre dauern, da dies zusätzlich zum Rohölbedarf noch einmal eine Nachfrage von etwa 2 Mio. B/T entstehen lassen würde. Dass die Bestände wieder aufgefüllt werden sollten, davon scheint Nasser allerdings überzeugt, denn im Rahmen einer Energiekonferenz in London warnte er gestern, dass das System (sprich: der Ölmarkt) bereits am Anschlag und der Bestandspuffer für den Fall weiterer Angebotsschocks „beängstigend dünn“ sei.
Aramco-Vorstandsvorsitzender
„Solange Hormuz nicht vollständig wieder geöffnet ist und das Vertrauen nicht zurückkehrt, wird sich der Druck auf beiden Seiten des Ölmarktes weiter verschärfen“, sagte Nasser am gestrigen Montag seinen Zuhörern und verwies dabei auch auf die Kraftstoffpreise, die zuletzt noch stärker gestiegen seien als die Rohölpreise.
Freigabe von Reserven Übergangslösung
Die Freigabe von Öl aus kommerziellen und strategischen Reserven hält Nasser für eine Übergangslösung. Diese werde allerdings das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nicht ausgleichen. Der Analyst Joe DeLaura von der Rabobank scheint ähnlicher Ansicht. „Es ist eine kurzfristige Lösung, die das Problem um ein bis zwei Monate aufschiebt“, so DeLaura, der sich dabei auf das Problem von Angebotsengpässen bei der Kraftstoffversorgung bezieht.
Aussicht auf steigendes Angebot lässt Heizölpreis sinken
An den Ölbörsen führte die Aussicht auf ein steigendes Angebot an Diesel und die Erholung der Öllieferungen aus der Golfregion zum Wochenbeginn trotz der weiterhin vorhandenen Risiken zu einem Preisrückgang. Dieser spiegelt sich auch in den Inlandspreisen wider. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland dürfen daher bei Heizöl im bundesweiten Durchschnitt aktuell mit Abschlägen von -2,75 bis -3,75 Euro pro 100 Liter gegenüber Montagvormittag rechnen. Dennoch sind die Preisentwicklungen aufgrund der anhaltenden, geopolitischen Anspannungen weiterhin unsicher, weshalb die Zahlen sich jederzeit ändern können.